Max Weber im Kontext - Gesammelte Schriften, Aufsätze und Vorträge, Berlin: InfoSoftWare-Verlag 1999, Reihe: Literatur im Kontext auf CD-ROM 7, ISBN: 3-932094-06-9, Preis: DM 148,- / Studierende: DM 118,- / Bibliothek, Multiuser-Lizenz (bis zu fünf Arbeitsplätze): DM 328,-

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von Prof. Dr. Aloys Winterling

Zu besprechen ist ein beeindruckendes Erzeugnis digitaler Datentechnik: eine CD-ROM, auf der die Hauptwerke Max Webers (1864-1920), eines der bedeutendsten Vordenker der modernen Gesellschafts- und Kulturwissenschaften, gespeichert sind. Webers "Wirtschaft und Gesellschaft" (mit Einschluß der Schrift "Die rationalen und soziologischen Grundlagen der Musik"), die sieben Bände seiner Gesammelten Aufsätze, seine Habilitationsschrift über die Agrargeschichte des antiken Rom und verschiedene weitere Texte, die im traditionellen Druckverfahren insgesamt rund 5000 Seiten (und ca. 1/2 Meter Bücherregal), in der derzeit entstehenden historisch-kritischen Max-Weber-Gesamtausgabe (MWG) ein mehrfaches davon umfassen, sind hier auf einer Plastikscheibe versammelt, die sich leicht in jeder Westentasche unterbringen läßt. In das CD-ROM-Laufwerk eines PC eingelegt, kann man die Texte aufrufen, am Bildschirm lesen, eigene Lesezeichen oder Anmerkungen einfügen, einzelne Kapitel ausdrucken oder auch Passagen in Textprogramme kopieren. Vor allem aber kann man die Weberschen Werke nach Begriffen oder Begriffskombinationen unterschiedlichster Art durchsuchen lassen. Dies ermöglicht in Sekundenschnelle einen selektiven Zugriff, der bislang - da die alten Ausgaben der Gesammelten Aufsätze über keine Register verfügen und die neue MWG noch lange nicht abgeschlossen ist - wochenlange Lesetätigkeit (oder zumindest stundenlanges Blättern in Registern und Texten) erforderte. Forscher, die - wie der Rezensent - neue Medien nicht unbedingt aus Spaß an der Freud', sondern erst dann nutzen, wenn sie gegenüber traditionellen Printmedien unbestreitbare Vorzüge bieten, müssen feststellen: Dies ist hier definitiv der Fall. Die CD gibt es zu einem Preis, der mit 148,- DM (für Studierende 118,- DM) nur etwa die Hälfte dessen ausmacht, was man derzeit für die erhältlichen broschierten Nachdrucke ausgeben muß, und der weit unter dem liegt, was ein einzelner der auf 27 Bände konzipierten Kritischen Ausgabe der Schriften und Reden Webers kostet.

Die technischen Voraussetzungen für den Betrieb der CD (Windows '95/'98/NT ab 4.0) werden von den heute gängigen PCs erfüllt. Die Software ViewLit 2.6 läßt sich problemlos installieren, die CD ohne Schwierigkeiten starten. Seit September '99 bietet der Verlag auch eine neue, per Diskette anforderbare Version ViewLit 1.7a für die Macintosh-Nutzung an. Die Know-how-Voraussetzungen des Nutzers sind minimal: Wer mit den gängigen Textverarbeitungsprogrammen unter Windows vertraut und schon mal im Internet gesurft ist, kommt auf Anhieb mit der CD zurecht. Das Layout ist übersichtlich in bis zu drei in der Größe variierbare Fenster gegliedert; mit Menü- und Symbolleisten ist man schnell vertraut.

Beim Start erscheint eine Titelseite mit einer inhaltlich gegliederten Kurzübersicht der Weberschen Werke (und dem Konterfei des großen Soziologen), von der aus man durch Anklicken der entsprechenden Zeilen zu detaillierteren Inhaltsübersichten und von dort weiter zu den Texten selbst gelangt. Die Übersicht über das komplexe Webersche Werk wird zudem durch weitere, mit den Texten durch Links verbundene Verzeichnisse erleichtert: einen "Inhaltsbaum", der durch ein Symbol auf der Kopfleiste aktiviert werden kann, eine "Gesamtinhaltsübersicht", sowie ein besonders hilfreiches Verzeichnis der Referenzausgaben, auf denen der CD-Text basiert (dazu unten). Hier kann man die einzelnen Bände der Gesammelten Aufsätze und "Wirtschaft und Gesellschaft" in ihren ursprünglichen Inhaltsverzeichnissen durchgehen und die gesuchten Aufsätze bzw. Kapitel ansteuern. Des weiteren verfügt die CD über ein Gesamtverzeichnis der Weberschen Schriften, das offenbar auf einer Zusammenstellung Johannes Winckelmanns und dem Prospekt der MWG basiert [1], ein Verzeichnis von Sekundärliteratur (beide weisen verschiedene Ungenauigkeiten auf; die Auswahl aus der umfangreichen Sekundärliteratur erscheint eher zufällig) sowie eine Übersicht der Biographie Max Webers und wichtiger Ereignisse seiner Zeit.

Die Schriftgröße der Texte ist individuell einstellbar; Schrifttypen (Normal, Petit, Webersche Marginalien, Altgriechisch) entsprechen dem Buchdruck. In den Marginalien wird zusätzlich durch Angabe von Kürzeln und Zahlen (in Graudruck) der Seitenwechsel in den zugrundegelegten Referenzausgaben angegeben. Beim Anklicken von Anmerkungsziffern erscheint im linken Fenster die gewünschte Fußnote; ebenso kann in umgekehrter Weise von der Fußnote aus der Text angesteuert werden. Der Umgang mit dem Suchprogramm erfordert eine gewisse Einübung: Gibt man zwei Begriffe gleichzeitig ein und verwendet die Voreinstellung "und", so werden - unabhängig von der gewählten Bandbreite der "Nahebei-Suche" - alle Fundstellen beider Begriffe (unabhängig voneinander) angezeigt. Zum Auffinden ganz bestimmter Weberscher Wortkombinationen (etwa bei der Suche nach Stellen, die in der Sekundärliteratur mit falschem Fundort zitiert wurden) müssen diese in Anführungszeichen gesetzt werden. (Darauf hätte man an zentraler Stelle hinweisen können.) Durch Eingabe von Kürzel und Seitenzahl kann man zudem die entsprechenden Seiten der Referenzausgaben ansteuern. Nach leichten Anlaufschwierigkeiten lernt man das Suchprogramm als ausgezeichnetes Hilfsmittel schätzen.

Von zentraler Bedeutung für die (wissenschaftliche) Nutzung ist zweifellos die Textgrundlage, auf der die CD basiert. Für die mit den Problemen der Weber-Philologie weniger Vertrauten sei daran erinnert, daß zu Webers Lebzeiten nur seine Qualifikationsschriften - die Dissertation über die Geschichte der Handelsgesellschaften im Mittelalter (1889) und die Habilitationsschrift über die römische Agrargeschichte (1891) - sowie die Untersuchung über die Lage der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland (1892) in Buchform erschienen sind. Eine Vielzahl weiterer Beiträge wurde von ihm als Aufsätze oder Artikel publiziert, während ein Großteil gerade seiner rezeptionsgeschichtlich wichtigen, später zu "Wirtschaft und Gesellschaft" vereinten Arbeiten nach seinem Tod lediglich in Manuskriptform vorgefunden wurde. Webers Ehefrau Marianne veranlaßte dann in den Jahren 1921 bis 1924 die Neupublikation seiner verstreuten Schriften in den sieben thematisch zusammengestellten Bänden der Gesammelten Aufsätze [2], andererseits initiierte sie das seitdem als Webers Hauptwerk geltende Buch "Wirtschaft und Gesellschaft" (1. vollständige Aufl. 1922, 5. Aufl. 1972): Es besteht aus einem von Weber ca. 1919 bis 1920 verfaßten, von ihm selbst noch für die dritte Abteilung des "Grundriß der Sozialökonomik" zum Druck gegebenen Text, der u.a. die berühmten kategorialen Bestimmungen von "Soziologie", "Sinn", "Sozialem Handeln", "Herrschaft" etc., die Analysen wirtschaftlichen Handelns sowie die (kürzere) Herrschaftssoziologie enthält und der in den verschiedenen Auflagen von "Wirtschaft und Gesellschaft" jeweils die S. 1 - 180 einnimmt (= erster, jüngerer Teil); sodann aus den genannten Manuskripten, die von Weber vermutlich in den Jahren 1909-1912 bzw. 1912-1914 verfaßt worden sind, die sich thematisch teilweise mit dem ersten (jüngeren) Teil überschneiden und die von ihm jedenfalls in dieser Form nicht für den Druck vorgesehen waren (= älterer Teil): Es handelt sich v.a. um die Analyse der "Gemeinschaften", die Religions-, die Rechts- und die (umfangreichere) Herrschaftssoziologie sowie um die Abhandlung "Die Stadt". Bei der Herausgabe ließ sich Marianne Weber von verschiedenen, aus heutiger Sicht nicht haltbaren Prämissen über die "Gesamtkonzeption" der Arbeiten leiten, was zu Umstellungen, veränderten Kapitelüberschriften und weiteren Texteingriffen führte. Seit den 50er Jahren nahm sich dann Johannes Winckelmann der Weberschen Schriften an: Zwei Bände der Gesammelten Aufsätze (die "Wissenschaftslehre" und die "Politischen Schriften") legte er unter Heranziehung zusätzlicher, früher publizierter Aufsätze in erweiterter Form vor (die anderen Bände der Gesammelten Aufsätze wurden bis zu den heutigen Taschenbuchausgaben jeweils nur nachgedruckt). Vor allem aber bearbeitete er "Wirtschaft und Gesellschaft": Einerseits verbesserte er eine größere Zahl grammatikalischer Unebenheiten, inhaltlicher sowie orthographischer Fehler, deren Ursache in der schwierig zu lesenden Handschrift Webers und seiner Verwendung spezieller Fachtermini unterschiedlichster Wissenschaftsbereiche begründet war. Er erstellte einen Kommentarband, der u.a. offensichtliche Bezüge zu zeitgenössischen Publikationen, die Weber als Quelle gedient hatten, rekonstruierte. Zudem versuchte Winckelmann, einer auch von ihm unterstellten Weberschen "Gesamtkonzeption" durch erneute Kapitelumstellungen gegenüber den früheren Auflagen sowie durch eine als "Staatssoziologie" bezeichnete Montage Weberscher Texte unterschiedlicher Provenienz gerecht zu werden [3].

Die seit den 80er Jahren als historisch-kritische Edition betriebene MWG [4] mußte demgegenüber hinter den Winckelmannschen Stand der Weber-Philologie zurückgehen: Sie basiert auf den Texten, die der "letzten Hand" am nächsten sind, d.h. - da der überwiegende Teil der Weberschen Manuskripte mittlerweile verloren ist - bei den Monographien und Aufsätzen auf den jeweiligen Erstpublikationen, bei den in "Wirtschaft und Gesellschaft" zusammengefaßten inhomogenen Textmassen weitgehend auf der Erstausgabe Marianne Webers von 1922. Diese wird derzeit nun in unterschiedlichen Bänden für die kritische Neuausgabe vorbereitet: Teil I der Erstausgabe, für den die noch von Weber selbst korrigierten Druckfahnen erhalten sind, als "Wirtschaft und Gesellschaft. Soziologie. Unvollendet 1919-1920" (= MWG I 23), die übrigen Teile, die Marianne Weber aus den (damals noch vorhandenen) Manuskripten vorlegte, als "Wirtschaft und Gesellschaft. Die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Ordnungen und Mächte. Nachlaß" (= MWG I 22, 1-6) [5].

In dieser philologisch vertrackten Situation waren dem Herausgeber der CD "Max Weber im Kontext" in zwei Hinsichten die Hände gebunden: Aus Gründen des Urheberrechts konnte nicht auf die Textgrundlage der späteren Winckelmannschen Ausgaben der "Wissenschaftslehre" und der "Politischen Schriften" sowie auf die späteren Auflagen von "Wirtschaft und Gesellschaft" - und natürlich erst recht nicht auf die mittlerweile vorliegenden Neueditionen der MWG - zurückgegriffen werden. Andererseits war es ausgeschlossen, eine eigenständige historisch-kritische Edition in Konkurrenz zu dem seit Jahren laufenden Mammutunternehmen MWG zu versuchen.

Die Entscheidung über die Textgrundlage, die im editorischen Vorwort kurz begründet wird, läßt sich als pragmatisch und der Sache angemessen bezeichnen: Es wurden nicht alle von Max Weber verfaßten Schriften, sondern lediglich die rezeptionsgeschichtlich wichtigsten aufgenommen, d.h. konkret die in den sieben Bänden der Gesammelten Aufsätze zusammengefaßten Schriften, "Wirtschaft und Gesellschaft" (jeweils nach den Erstauflagen der 20er Jahre) sowie die "Römische Agrargeschichte" (nach dem Text der Originalausgabe von 1891). Dabei wurde Bd. 1 der "Gesammelten Schriften zur Religionssoziologie" v.a. um Webers "Antikritiken" zu seinem Protestantismusaufsatz (nach den Erstdrucken im "Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik") ergänzt; die von Wickelmann in den erweiterten Auflagen der "Wissenschaftlehre" und der "Politischen Schriften" zusätzlich aufgenommenen Schriften Webers wurden ebenfalls nach den Erstdrucken (meist im "Archiv") - ungekürzt - hinzugefügt; die "Musiksoziologie", von Marianne Weber in der 1. Aufl. von "Wirtschaft und Gesellschaft" zunächst weggelassen, wurde nach dem Abdruck in der 2. Aufl. aufgenommen.

Die editorische Behandlung der Texte selbst erfolgte - so der Herausgeber - in Form einer neuen Durchsicht. Emendationen und Konjekturen wurden beschränkt auf eindeutige Fälle von Druckfehlern oder Verschreibern, die - sofern es sich nicht um Marginalkorrekturen, z.B. Buchstabendreher, handelt - durch Graudruck gekennzeichnet sind. Nach den Stichproben des Rezensenten wurde dieses editorische Verfahren durchweg zuverlässig durchgeführt. Druckfehler (bzw. Fehler beim Scannen) fanden sich nur ganz vereinzelt (so "Charismatimus" statt "Charismatismus" im Wortindex; "fegtsteht" statt "feststeht" in den "Gesammelten Aufsätzen zur Soziologie und Sozialpolitik" [CD SP 249]).

Der Ausgang von den jeweiligen Erstauflagen der Gesammelten Aufsätze und von "Wirtschaft und Gesellschaft" bietet Vor- und Nachteile: Aufgrund der Editionsprinzipien der MWG, die jeweils von den frühesten Fassungen der Texte Webers ausgeht und damit einen großen Teil der Winckelmannschen Konjekturen wieder rückgängig macht [6], ist die Kompatibilität der CD mit der (im Entstehen befindlichen) Kritischen Ausgabe sogar erhöht worden - zumindest was "Wirtschaft und Gesellschaft" angeht. Da in den Marginalien der Neuausgabe der MWG (wie beim Text der CD) die Seitenzählung der 1. Aufl. angegeben wird, ist zudem eine schnelle Kontrolle des Textes anhand der kritischen Ausgabe möglich, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn die letzte Winckelmannsche Auflage zugrundegelegt worden wäre (bzw.: bei anderer Urheberrechtssituation hätte zugrundegelegt werden können). Andererseits sind viele Winckelmannsche Textverbesserungen unabweisbar, so daß sie auch in der neuen Edition Aufnahme finden (werden), während der CD-Text die unverbesserte Version bietet [7].

Bei den Aufsätzen Webers schließlich wird bei der MWG nicht - wie bei der CD - der Text der Gesammelten Aufsätze, sondern der jeweilige Erstdruck als Textgrundlage verwandt. Der Vergleich des CD-Textes mit der kritischen Ausgabe wird hier schwieriger und auf die den MWG-Bänden beigegebenen Seitenkonkordanzen der verschiedenen Ausgaben angewiesen sein. Hilfreich wäre es gewesen, wenn auch der CD-Text auf der Basis der Erstdrucke erstellt worden wäre oder wenn zumindest in den Marginalien die entsprechenden Seitenzählungen hinzugefügt worden wären.

Gerade bei den fünf Bänden der Gesammelten Aufsätze, die seit den zwanziger Jahren nur unverändert nachgedruckt worden sind und deren kritische Durchsicht meist fachwissenschaftliches Spezialwissen erfordert, zeigen sich zudem vereinzelt die Grenzen der zugrundegelegten Textbasis und der Möglichkeiten eines einzelnen Herausgebers: So ergibt etwa ein genauerer Vergleich der beiden gedruckten Fassungen des Abschnitts "6. Rom, a) Der Stadtstaat" von Webers umfangreicher Arbeit "Agrarverhältnisse im Altertum" [8] mit dem Text der CD, daß 1. Textverderbnisse beider Ausgaben verbessert wurden [9], daß 2. solche verbessert (und durch Graudruck gekennzeichnet) wurden, die nur durch den Neudruck in den Gesammelten Aufsätzen entstanden sind [10] - was beim Ausgang vom Erstdruck überflüssig gewesen wäre -, daß 3. gelegentlich ebensolche Fehler des Neudrucks gegenüber dem Erstdruck in den CD-Text übernommen wurden [11], schließlich daß 4. (nur) für Fachleute offensichtliche Fehler beider Ausgaben übernommen wurden [12]. Unregelmäßigkeiten der CD-Version gegenüber der Textgrundlage in den Gesammelten Aufsätzen fand der Rezensent nur bei einer Verwechslung von Petit- und Normaldruck [13].

Hinsichtlich der wissenschaftlichen Zitierfähigkeit des CD-Textes ist somit festzustellen: Er ersetzt keine kritische Ausgabe (und dies ist expliziterweise auch gar nicht sein Anspruch). Sofern daher neuere Editionen vorliegen (wie bei den Winckelmannschen Ausgaben von "Wirtschaft und Gesellschaft", der "Wissenschaftslehre" und der "Politischen Schriften" sowie bei den vorliegenden Bänden der MWG), werden diese vergleichend heranzuziehen sein. Wo das nicht der Fall ist, ist der Text der CD ebenso zitierfähig wie der der zugrundegelegten Referenzausgaben. Im übrigen bleibt insgesamt abzuwarten, wie sich in der alltäglichen Praxis das "Weber-Zitat" entwickeln wird, d.h. v.a. ob sich die Seitenzählung der für den einzelnen Forscher praktisch unerschwinglichen MWG als neuer Standard wird durchsetzen können.

Fazit: Die CD "Max Weber im Kontext" ist ein vorzügliches, benutzerfreundliches und zuverlässiges Arbeits- und Informationsmittel für alle, die sich wissenschaftlich mit dem Werk Max Webers beschäftigen - sei es im Rahmen ihrer Einzelwissenschaften als Soziologen, Historiker, Wirtschafts-, Rechts-, Politik- oder Religionswissenschaftler, sei es im Rahmen weberphilologischer und -werkgeschichtlicher Spezialforschung. Daneben ist sie aber auch empfehlenswert für alle an Weber interessierten Nichtwissenschaftler und Studierenden, die hier einen schnellen und übersichtlichen Zugang zu den wichtigsten Werken des großen Denkers bekommen. Wird sie ersteren als exzellentes Hilfsmittel zusätzlich zu den neuen kritischen Ausgaben dienen, so kann sie letzteren als preisgünstige und platzsparende Alternative die älteren gedruckten Texte ersetzen.

Es ist zu hoffen, daß der Verleger Karsten Worm, der bereits mehrere CDs in seiner Reihe "im Kontext" vorgelegt hat - so zu Platon (in der Übersetzung Schleiermachers), Kant und Fichte -, oder auch andere, ähnlich qualifizierte EDV-Editoren auf diesem Weg voranschreiten. Zumal die angekündigte zweisprachige (griechisch-deutsche) Platon-Ausgabe, der hoffentlich weitere CDs antiker Autoren folgen werden, dürfte auf ein Publikumsinteresse stoßen, das zu befriedigen sich lohnen wird.

Anmerkungen:

[1] Siehe: Verzeichnis der Schriften Max Webers, in: Max Weber, Soziologie, universalgeschichtliche Analysen, Politik, hrsg. v. Johannes Winckelmann, 5. Aufl., Stuttgart 1973, 490-505; Martin Riesebrodt, Bibliographie zur Max Weber-Gesamtausgabe, in: Prospekt der Max Weber Gesamtausgabe, hrsg. v. Horst Baier u.a., Tübingen o.J. (1981), 16-32.

[2] Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, 3 Bde., Tübingen 1920-1921 (Textkürzel CD: PI - III); Gesammelte Politische Schriften, München 1921 (PS); Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Tübingen 1922 (WL); Gesammelte Aufsätze zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Tübingen 1924 (SW); Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik, Tübingen 1924 (SP).

[3] Siehe Wolfgang Schluchter, "Wirtschaft und Gesellschaft" - Das Ende eines Mythos, in: Johannes Weiß, Max Weber heute. Erträge und Probleme der Forschung, Frankfurt am Main 1989, 55-98; zuletzt Horst Baier u.a., Zur Edition von "Wirtschaft und Gesellschaft", in: Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Ordnungen und Mächte. Nachlaß. Teilband 5: Die Stadt, hrsg. von Wilfried Nippel, (MWG I 22, 5), Tübingen 1999, VII-XVII.

[4] Über die bislang erschienenen und die noch geplanten Bände informiert aktuell die Homepage des Verlages Mohr/Siebeck: http://www.mohr.de/mwg.htm.

[5] Vgl. zuletzt Baier u.a., Zur Edition von "Wirtschaft und Gesellschaft" (wie Anm. 3).

[6] Beispiele lassen sich mittels des kritischen Apparats der MWG ausfindig machen; s. etwa: Weber, MWG I 22, 5 (wie Anm. 3) 69 Z. 20: "bildet nun einen Teil" (Nippel); ebenso: Wirtschaft und Gesellschaft, 1. Aufl., 517 (Marianne Weber); ebenso: CD WG 517; demgegenüber: Wirtschaft und Gesellschaft, 5. Aufl., 731: "bildet nur einen Teil" (Winckelmann).

[7] Beispiel: Wirtschaft und Gesellschaft, 5. Aufl., 753: "so war es auch in Köln" (Winckelmann); ebenso: MWG I 22, 5 (wie Anm. 3) 133 Z. 29 (Nippel); dagegen: Wirtschaft und Gesellschaft, 1. Aufl., 539: "so war es auch in Rom" (Marianne Weber); ebenso: CD WG 539.

[8] Erstdruck in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 3. Aufl., Bd. 1, 1908/1909, 52-188; Wiederabdruck: Gesammelte Aufsätze zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 1-288 (= Textgrundlage der CD-Version).

[9] So CD SW 197 "Waagen" statt Erstdruck 144 und SW 197 jeweils "Wagen".

[10] So CD SW 192 ebenso wie Erstdruck 142 "akzeptiert" statt SW 192 "akzepziert".

[11] So Erstdruck 187 richtig "Tribus" und "Lachmannschen", SW 287 und CD SW 287 jeweils inkorrekt "Triebus" und "Lackmannschen".

[12] So Erstdruck 145, SW 199, CD SW 199 jeweils "Analistik" statt "Annalistik".

[13] So CD SW 196 Z. 1.

Rezensiert fuer H-Soz-u-Kult von:

Prof. Dr. Aloys Winterling, Fakultät für Geschichtswissenschaft und Philosophie, Universität Bielefeld, e-mail: <aloys.winterling@geschichte.uni-bielefeld.de>


Quelle = Email <H-Soz-u-Kult>

From: "Aloys Winterling" <aloys.winterling@geschichte.uni-bielefeld.de>
Subject: Rez. CD-ROM: Winterling ueber "Max Weber im Kontext ...."
Date: 07.02.2000


Copyright (c) 2000 by H-SOZ-U-KULT (H-NET), all rights reserved. This work may be copied for non-profit educational use if proper credit is given to the author and the list. For other permission, please contact H-SOZ-U-KULT@H-NET.MSU.EDU.