Rezensiert für H-Soz-u-Kult von Achim Reinhardt
Systemvoraussetzungen:
Windows 95 und höher, 486/66 MHz oder schneller (Pentium empfohlen), Arbeitsspeicher 16 MB Ram (32 empfohlen), Festplatte 100 MB, VGA-Karte, Color-Monitor, Sound-Karte, CD-Rom-Double-Speed-Laufwerk oder höher.
Nicht nur Boris "Bobbele" Becker hat den Weg hinein gefunden. Auch viele Historiker sind längst "drin", im weltweiten Datennetz. Es würde Wochen dauern, sich durch alle Internet-Seiten zu klicken, die für den Geschichtswissenschaftler interessante Inhalte bieten. Das Spektrum der Angebote reicht von den Historischen Seminaren an Universitäten über Archive, Museen und Bibliotheken bis hin zu den teilweise gut gemachten Web-Auftritten von Schulen und interessierten Laien. Das Internet setzt Maßstäbe: Studenten müssen ihre Scheu vor der Computermaus spätestens im Proseminar ablegen. Nach wichtiger Literatur zu recherchieren, die Thesenpapiere per E-Mail-Verteiler an die Kommilitonen zu schicken und Quellen auf dem Datenhighway zu finden, ist für viele schon eine Selbstverständlichkeit geworden. Im Nachteil ist, wer sich Klicks und Tricks noch nicht im Selbststudium angeeignet hat und nach dem ABC nun mühsam das WWW lernen muss.
Umso wichtiger ist also, dass künftige Historiker rechtzeitig in der Schule lernen, mit dem bedeutenden Medium unserer Informationsgesellschaft richtig umzugehen. Während viele Fünftklässler jedoch schon mühelos durch das Netz surfen, sind viele Geschichtslehrer bedauerlicherweise noch "Nichtschwimmer". Vor allem für sie, aber nicht nur für sie, ist die neue CD-Rom "Wegweiser durch das Internet für den Geschichtsunterricht" gedacht. Der nützliche "Silberling" geht zurück auf Gespräche und Planungen im Vorfeld des Aachener Historikertages im vergangenen Jahr und will dem wenig geübten aber auch dem versierten Kollegiumsmitglied einen einfachen Einstieg ins World Wide Web bieten. Die mit einem Preis von 19.80 Mark preisgünstige CD-Rom erspart Geschichtslehrern das langwierige und mühsame Klicken durch ein Meer von Informationsmüll, indem sie mit chronologisch und thematisch gut gegliederten Links und Surftipps aufwartet.
Einige der wichtigsten Internet-Seiten mit historischen Inhalten sind komplett auf der Scheibe verfügbar - damit werden "Trockenübungen" zu Hause ohne Verbindung zum Netz möglich. Unterschiedliche Epochen und Kulturräume, von der Frühgeschichte bis zur Zeitgeschichte, können auf den Monitor gezaubert werden, auch entlegenere Bereiche des Fachs wie Umweltgeschichte, Kommunikationsgeschichte oder historische Kartografie fehlen nicht. Empfehlenswert ist aber, die CD-Rom auch als Plattform für gezielte Ausflüge auf die Datenautobahn zu nutzen. Denn neben den "offline" verfügbaren Inhalten findet der Nutzer viele fachkundig kommentierte Internet-Adressen. Ein Klick genügt, und das weltweite Datenwissen flimmert auf dem heimischen Bildschirm.
Damit nicht genug: Für Anfänger liegen grundlegende Texte für die Arbeit mit dem Internet bereit, in einem Internet-Glossar kann der Nutzer beispielsweise ihm unverständliche Fachtermini nachlesen - von A wie Account bis Z wie Zip-Datei. Aufsätze thematisieren methodologische Probleme und Fragestellungen zum "Lernen mit dem Netz". Und Beispiele für den Einsatz von Internet-Ressourcen im Geschichtsunterricht werden gleich mitgeliefert. Zu ausgewählten Schwerpunkten - wie etwa "Hanse und Handel", "Arbeiterbewegung" oder "Medizingeschichte" werden ausführliche Recherchen mit hilfreichen Kommentaren präsentiert. Eine "Website-Rallye" soll den Inhalt der CD-Rom spielerisch erschließen. Quizfragen testen, ob sich der Nutzer an Bilder, Adressen und Rechercheergebnisse erinnert.
Eine CD-Rom bleibt naturgemäß hinter den Möglichkeiten des Internet zurück. Denn das Netz verändert sich täglich, stündlich, minütlich. Und so kann es sein, dass einige der Pfade, die von der Silberscheibe in den Datendschungel führen, bald zugewachsen sind. WWW-Seiten verändern ihr Gesicht, Internet-Adressen ändern sich, neue Inhalte kommen hinzu, andere verschwinden. Deshalb soll eine Aktualisierung zumindest der Links per Download laut Autoren möglich sein. Wünschenswert wäre auch eine Volltextsuche für den Inhalt der gesamten CD-Rom gewesen. Was auf guten Seiten im Internet bereits seit längerem Standard ist, sollte auf einer Handreichung auch für ungeübte "Surfer" nicht fehlen. Ohne diese - bei einer zweiten Auflage leicht zu implementierende - Funktion kann die Suche nach Themen, Teilaspekten und Dokumenten für den eiligen Benutzer bisweilen zu einer kleinen Odyssee werden. Schade ist auch, dass die CD-Rom nicht stärker noch mit den genuinen Möglichkeiten des Internet spielt. Denn gerade das Zusammenwirken von Text, Bild und Ton macht neben dessen Aktualität den Reiz des Mediums aus.
Dennoch: Dem Surf-Anfänger bietet die CD-Rom eine einfach zu handhabende Spielwiese, dem Profi erschließt sie mit wenigen Klicks in Sekundenschnelle die wichtigsten Links. Wer als Geschichtslehrer "drin" sein will, sollte sich den "Silberling" anschaffen, der auf dem deutschen Markt bisher noch seinesgleichen sucht.
Bestellt werden kann die CD-Rom "Wegweiser durch das Internet für den Geschichtsunterricht" von Klaus Fieberg für 19,80 Mark plus Versandkosten beim
Verband der Geschichtslehrer Deutschlands,
Landesgeschäftsstelle Rheinland-Pfalz,
Am Obstmarkt 49b, 55126 Mainz,
Telefon 0 61 31 / 47 86 19.
Oder online über www.praxisgeschichte.de.
Rezensiert fuer H-Soz-u-Kult von:
Achim Reinhardt, <achim.reinhardt@mainz.netsurf.de>
Quelle = Email <H-Soz-u-Kult>
|