Rezensiert für
H-Soz-u-Kult von
PD Dr. Ralf Pröve, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für
Geschichtswissenschaften
Der Titel des von den beiden verdienten österreichischen Archivaren
verantworteten Bandes klingt vielversprechend. Der Inhalt kann indes nur
bedingt die Erwartungen erfüllen.
Das Buch ist in drei ungleichgewichtige Teile gegliedert. Am Anfang folgen
im ersten 170 Seiten umfassenden Teil unter der Rubrik "Strömungen,
Richtungen, Ziele" drei Aufsätze, die freilich zum Teil nicht originär
sind. Gekoppelt an die gängigen historischen Periodisierungen werden
die Österreichische Militärgeschichte bis 1918, von 1918 bis 1945
und schließlich nach 1945 diskutiert.
Der zweite, etwa 70 Seiten umfassende Teil des Buches enthält 22 recht disparate "Beilagen", so etwa die Titel einzelner Publikationsreihen, verschiedene Dienstvorschriften zur Abfassung militärgeschichtlicher Arbeiten, ein Verzeichnis österreichischer Dissertationen und anderer universitärer Qualifikationsarbeiten, eine Übersicht auf Fachperiodika und Zeitschriften oder eine Liste der Generalstabswerke. Der dritte und mit etwa 400 Seiten umfangreichste Teil besteht aus einer "Biobibliografik", die lexikonartig zusammengefaßt biographische Daten mit einer Wertung des Werkes des besprochenen Autors (insgesamt werden 130 Personen erfaßt) verbindet und außerdem ein Verzeichnis der jeweiligen Publikationen enthält.
Hervorzuheben ist die stupende Auflistung von Informationen, Daten und Fakten, die Broucek und Peball über Jahrzehnte hinweg zusammengetragen haben. Sorgfältig wird der ältere Stand der Forschung aufgelistet und referiert. Wer zumindest im Aufsatzteil des Bandes jedoch eine reflektierte und kritische Sicht auf die österreichische Militärgeschichte erwartet hat, wird enttäuscht. Statt einer Einbindung der österreichischen Entwicklung in die internationalen Forschungsdebatten nach 1945, statt einer ausgiebigen Diskussion der "neuen Militärgeschichte", wie sie etwa in Deutschland in den letzten Jahren Formen angenommen hat [1], folgen lange und breite Darstellungen über Form und Inhalt der verschiedenen österreichischen militärgeschichtlichen Zeitschriften oder der Personal- und Forschungspolitik der jeweiligen Leiter des Kriegsarchivs. Es wird eine stark organisationsgeschichtlich und ausschließlich institutionell und amtlich gedachte Militärgeschichte vorgeführt, die für den Leser durch die Fokussierung auf die traditionelle Binnensicht des Faches und die totale nationale Beschränkung sowie die manchmal peinlich anmutenden Lobeshymnen auf bestimmte Akteure recht ermüdend wirkt.
Sicherlich ein Hauptproblem ist der Zwittercharakter des Bandes. Hier wäre
besser gewesen, sich gleich auf eine reine Quellenedition zu verständigen
oder sich auf die "Biobibliografik" zu konzentrieren, ohne den Anspruch auf
eine Gesamtdarstellung.
Diese Einschränkungen sind allein deshalb schon bedauerlich, weil es
in Österreich ausreichend vornehmlich jüngere Forscher und
Forscherinnen gibt, die sehr erfolgreich neue
Militärgeschichte betreiben und hierbei Ansätze der
Geschlechtergeschichte oder der Kultur- und Alltagsgeschichte anwenden. Es
bleibt dieser, offensichtlich abseits der amtlichen Militärgeschichte
stehenden Generation vorbehalten, in Zukunft eine andere Darstellung der
militärhistoriographischen Entwicklung in ihrem Land seit den 1990er
Jahren zu geben.
Anmerkung:
Vgl. nur zum Beispiel Bernhard R. Kroener, Ralf Pröve (Hg.), Krieg und
Frieden. Militär und Gesellschaft in der frühen Neuzeit, Paderborn
1996; Ralf Pröve (Hg.), Klio in Uniform? Probleme und Perspektiven einer
modernen Militärgeschichte der Frühen Neuzeit, Köln 1997;
Karen Hagemann, Ralf Pröve (Hg.), Landsknechte, Soldatenfrauen und
Nationalkrieger. Militär, Krieg und Geschlechterordnung im historischen
Wandel, Frankfurt/Main 1998; oder Thomas Kühne, Benjamin Ziemann (Hg.),
Was ist Militärgeschichte?, Paderborn 2000.
Rezensiert für
H-Soz-u-Kult
von:
PD Dr. Ralf Pröve, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut
für Geschichtswissenschaften
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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von:
Vera Ziegeldorf <ZiegeldorfVera@geschichte.hu-berlin.de>
Quelle = Email <H-Soz-u-Kult>
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