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Für 'Museum Professionals', VL-Museen und H-Soz-u-Kult rezensiert von: Dr. Eva-Maria Butz, Universität Dortmund
Nach einem Vorwort des Direktors des Groninger Museums Kees van Twist erläutert Peter Greenaway sein Verständnis vom Wesen der mittelalterlichen Epoche, wie er sie auch in der Inszenierung umgesetzt hat. Er reflektiert über die Chancen des Mediums Ausstellung gegenüber dem Film. Dreidimensionalität, Bewegung der Betrachter, die individuelle Geschwindigkeit und Zusammensetzung des Erlebens. Ein großer Teil seiner Ausführungen aber widmet er den Gebeinen der Mönche von Aduard, die in seiner Inszenierung eine bedeutende Rolle spielen. Der Text ist sowohl in englischer wie in niederländischer Sprache abgedruckt.
Der Katalog ist hochwertig ausgestattet. Die Objektbeschreibungen nehmen die erste Hälfte des Bandes ein, wobei die Qualität der Abbildungen hervorragend ist. Dieser Teil orientiert sich in seiner Gliederung an der Ausstellung (und mit dieser Hilfe erschließen sich im nachhinein auch manche Installationen): Skriptorium - Emo - Zeit - Höllenhunde - Gier - Verführung - Hölle - Tod - Recht - Reinigung - Heilige - Himmel - Petrus. Die Erläuterungstexte enthalten allen notwendigen Angaben zu Datierung, Aufbewahrungsort und Größe der Objekte. Sie sind ausreichend und mit den notwendigen Literaturangaben ergänzt. Der zweite Teil des Kataloges bringt nun das, was in der Ausstellung von manchen sicherlich schmerzlich vermißt wird: die Verbindung der gezeigten Objekte mit der Geschichte der Region Nord-Niederlande und Friesland. Allen Beiträgen ist gemeinsam, daß sie auch für Laien verständlich sind, und somit das Ziel, das sich die Ausstellung gesetzt hat, nämlich Licht in die Vorstellungen vom dunklen Mittelalter im Norden zu bringen, erreichen. Die Artikel sind zum Großteil mit ausführlichen Literaturverzeichnissen versehen.
Egge Knol (Bange en gelukkige bewoners langs de zee) erläutert in einem Vorwort zum Aufsatzteil nochmals die Konzentration der Ausstellung auf die Thematik des Todes und das Leben nach dem Tod. Dem Problem des Mittelalterbildes in der Neuzeit wendet sich Redmer H. Alma (De Middeleeuwen in de Middeleeuwen) zu. Er macht auch für Laien auf eindrückliche Art und Weise deutlich, daß die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der friesischen Gebiete im Mittelalter nicht einfach mit modernen Begriffen und Vorstellungen von Staatlichkeit beschrieben werden können, und zeigt die Gefahr auf, die Organisation dieser Gebiete aus heutiger Sicht und nach heutigen Kategorien zu betrachten, die zu anachronistischen Bildern führen können. Egbert O. van der Werff nimmt die kirchliche Entwicklung und Organisation der Region in den Blick (Kerspel in stad en land). Er behandelt kurz die drei Bistümer entlang der Küste Hollands, Frieslands und Groningens (Utrecht, Münster, Osnabrück), die Missionierung und Einrichtung von Pfarrkirchen und deren Patrozinien. Auch Eigenkirchen sowie das kirchliche Personal, Ausstattung der Kirchenräume und liturgische Gebräuche werden erläutert.
Mit dem Aufsatz über Klostergemeinschaften im mittelalterlichen Friesland zeigt Johannes A. Mol die Bedeutung der Klostergemeinschaften für die mittelalterliche Gesellschaft auf (Bemiddelaars voor het hiernamaals. Kloosterlingen in middeleeuws Frisia). Dabei liegt sein Schwerpunkt auf den Gründungen des 12. und 13. Jahrhunderts in den friesischen Ländern. Er behandelt Funktion, Gründung und Ausstattung der Kloester ebenso wie Mönche, Nonnen, Laienbrüder und Laienschwestern. Nach einem kurzen Überblick über die wirtschaftlichen Erfolge der Zisterzienser wendet er sich dem Niedergang der Gemeinschaften in Friesland im späten Mittelalter zu. Pest, Krieg und Streitigkeit friesischer Adliger zu Ungunsten der Klöster beendeten die Blütezeit.
Unterschiedliche Aspekte des mittelalterlichen Glaubens in den friesischen Gebieten zeigt Remi W.M. van Schaïk auf (Hel en Hemel. Aspecten van middeleeuws geloofsleven in de friese landen). Dabei konzentriert er sich vor allem auf die Vorstellung der Menschen vom Tod und dem Leben nach dem Tod. Eine besondere Rolle kommt dabei Maria oder den Heiligen (lokale Heilige wie Walfried und Radfried oder "allgemeinere" Heilige wie Magnus) als Mittler zwischen den Menschen und Gott zu. Die Bedeutung von Reliquien wird ebenso thematisiert wie die Pilgerfahrten friesischer Großer ins heilige Land oder überlieferte Wunder.
Der gelehrten Welt in Groningen wendet sich Adrie van der Laan zu (Aduard of het geleerde Groningen). Im 15. Jahrhundert entstand um den Groninger Humanisten Rudolf Agricola eine Gruppe, die das Fundament für eine im Norden fest verankerte Bildung und Gelehrtheit legte, die in der Gründung der Universität Groningen einen bedeutenden Höhepunkt fand. Jos. M.M. Hermans gibt einen Überblick über die Buchproduktion und Forschungen zu den Handschriften im Norden (Schrijven doet blijven). Die Entwicklung der vielfältigen Sprachenlandschaft zeichnet Oebele Vries nach. Im Norden herrschte um 1100 vor allem das Friesische vor, ein sächsischer Dialekt, der allerdings in den folgenden Jahrhunderten vom niederländischen verdrängt wurde (Een afwisselend taallandschap).
Der Lebenswelt der Menschen an der Küste gilt der Beitrag von Gert Kortekaas (Alles onder dak). Im Zentrum steht das Wohnen im späten Mittelalter. Dabei werden sowohl Wohngebäude auf dem Land, der Wechsel von Holzbauten zu Steingebäuden als auch Bauten in städtischen Siedlungen betrachtet. Dem Alltagsleben ist auch der kurze Beitrag von Klaas Helfrich über Eßgeschirr und Hausrat (1100-1550) gewidmet (Eetgerei en huisraad in de Middeleeuwen). Den Band schließt Jan C. van der Wis mit einem Überblick über die spätmittelalterliche Münzproduktion in den Nord-Ost-Niederlanden und Ostfriesland ab (Laat-middeleeuwse muntslag in Noord-Oost Nederland en Oost-Friesland).
Der Katalog bietet mit seinem Aufsatzteil eine wichtige Zusammenfassung des Forschungsstandes zum Mittelalter im Norden, vor allem der Periode von 1100-1550.
Für 'Museum Professionals', VL-Museen und H-Soz-u-Kult rezensiert von:
Dr. Eva-Maria Butz, Universität Dortmund, <butz@dx1.hrz.uni-dortmund.de>
Quelle = Email <H-Soz-u-Kult>
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